Rückblende

 

Bretagne-Reise vom 26.8.06- 3.9.06.

 

Ein Rückblick von Susanne Schmidt

Überraschend ist mir die Ehre zuteil geworden, die traditionelle Abschlussrede zu halten. Als Neumitglied bedanke ich mich für das mir entgegen gebrachte Vertrauen und hoffe, es auch zu erfüllen. So wie ich die Sache verstanden habe, soll ich Ereignisse und Eindrücke Revue passieren lassen. Die sind zwangsläufig subjektiv, aber vielleicht ist der eine oder die andere zu ähnlichen Bewertungen gekommen.

Als in der Bretagne noch die Sonne geschienen hat, haben Sie, Herr Schäfer, bescheiden festgestellt, das gute Wetter sei nicht Ihr Verdienst. Entschuldigen Sie, dass ich widerspreche. Ich bin anderer Meinung. Ich bin inzwischen fest davon überzeugt, dass wir alle, nicht eine normale Reise mitgemacht haben, sondern eine von langer Hand vorbereitete Inszenierung erlebten. Bemerkungen meiner Vorredner von gestern Abend bestätigten diese Vermutung, die ich im Folgenden auch belegen möchte. Inszenierung, das heißt auf Französisch „mise en scene". Und hat sich nicht tatsächlich für uns 30 Reisende aus Bayern ein ganzer Landstrich „in Szene gesetzt"? Mit zauberhaften Blumenrabatten, vielfarbigen Hortensienbollern, faszinierenden Vauban-Festungen, glänzenden Wasserflächen, abenteuerlichen Steinformationen und jetzt, der bewölkte Himmel und der Regen, müssen einfach sein, um uns den Abschied von dieser schönen Region zu erleichtern. Wie immer die Organisatoren dieser Veranstaltung das hingekriegt haben, ich weiß es nicht. Aber ich sage: Alle Achtung. Die Kulisse war und ist perfekt.

Erinnern Sie sich nur an die ersten Orte der Handlung. Nach dem wettermäßigen „Kaltstart" in München, das heitere, sonnige Dinan und weiter in St. Malo: Hotelzimmer mit atemberaubendem Blick auf Meer und Sandstrand in goldenem Abendlicht. Liebe Mitreisende: das war kein Zufall. Das war natürlich langfristige Planung unter Nutzung aller denkbaren Verbindungen und Beziehungen zur Bretagne.

Kommen wir zur kulinarischen Seite unserer Reise. Auch hier lässt sich die sorgfältige Inszenierung nachvollziehen. Während man zunächst in der „französischen Küche" auf schwächerer Flamme gearbeitet hatte, wurde immerhin am 6. Tag in Bénodet ein Höhepunkt erreicht mit weißen Muscheln, rotem Fisch und grünen Algen. Und die Sinnenfreude setzte sich draußen vor der Lokaltüre im Hafen fort, wo ein fahlgelber Halbmond am blauen Abendhimmel stand. Das kann nicht mehr getoppt werden, dachte ich….bis wir gestern Abend nach Durchwanderung des Crachin in einem gemütlichen Lokal landeten und von reizendem Personal aufs Köstlichste verpflegt wurden, wobei der reichlich geflossene Wein nicht unerwähnt bleiben soll.

Doch ich bin zeitlich vorausgeeilt. Lassen Sie mich beispielhaft noch einige Schauplätze in Erinnerung rufen, bei denen aus meiner Sicht wirklich alles gepasst hat: Mont St. Michel, die Steilküste von Cap Fréhel, die Kriegsgräber von Ploudaniel, die Schifferlfahrt auf der Odet, die Fische von Guilvinec, die Menhire von Carnac. Und auch die stürmische Erkundung des Golfs von Morbihan war so und in dieser Form unumgänglich, um zumindest meine Klischee-Vorstellungen von der Bretagne zu bedienen. Die Beispiele belegen es: hervorragende Kulissen, Klasse Beleuchtung, spannende Erzählungen- eine gute Inszenierung halt.

Auch der Regen in Brest musste sein. Denn wenn es in Brest nicht geregnet hätte, wäre für mich der Lyriker Jacques Prévert absolut unglaubwürdig geworden mit seinem „Il pleuvait sans cesse sur Brest ce jour -là". An jenem Regentag in Brest begegnete uns im Gegensatz zu Jacques Prévert nicht Barbara, aber immer-hin Monsieur André. Und er begegnete uns natürlich nicht einfach so, nein er war Teil der Inszenierung, die an diesem Tag in der Wallfahrtskirche von Le Folgoet mit einem bretonischen Gebet ihren Höhepunkt fand.

Dieser Regentag war außerdem unverzichtbar - zur Hautpflege- sowie für den Besuch der Pfarrbezirke. Denn in einer Stückgetreuen, ordentlichen Inszenierung muss das Wetter der Aura von Beinhäusern und Kalvarienbergen angepasst sein…Während die besten bretonischen Galets in Quimper nur bei Sonnenschein so richtig schmecken. Außerdem, doch das nur nebenbei, hätte es dort in Quimper schon deshalb nicht regnen dürfen, weil das Hotel keinen Fön zum Trocknen der Haare geboten hat. Ich wiederhole mich: perfekt inszeniert.

Angesichts dieser Perfektion stecken wir Badezimmermalaisen, fehlende Frühstückseier, Jogurts und Früchte ebenso locker weg, wie die aggressiven Mücken aus der Textiltapete und den Armagnac für 9.50 Euro. Nur, dass das Meer uns regelmäßig immer dann sein Wasser vorenthalten hat, wenn wir es für perfekte Urlaubsfotos gebraucht hätten… also daran sollte man für das nächste Mal noch arbeiten.

Trotzdem mein Fazit: Die Inszenierung des Stücks „Bretagne für alle Sinne" war außerordentlich geglückt. Deshalb ein herzliches Dankeschön an alle Drehbuchschreiber, Kulissenschieber, Strippenzieher und Darsteller – unter dieser Bezeichnung schließe ich meine Mitreisenden ein.

Ich habe mich in Ihrem Kreis sehr wohl gefühlt.

Reise in die Bretagne:

Dom zu Rennes                                          Hafen von Brest bei Nacht                                frische Meeresfrüchte - guten Appetit