Rückblick
mit Bildern von M. Haslinger
Bei unserer Abfahrt in Schongau fühlte ich mich an ein Gedicht erinnert, das ich in verkürzter und etwas abgewandelter Form gerne zitieren möchte:
An
besonders schönen Tagen
ist der Himmel sozusagen
wie aus blauem Porzellan
und die Federwolken gleichen
weißen, zart getuschten Zeichen.
Alle Welt fühlt sich gehoben
blinzelt glücklich schräg nach oben
und bewundert die Natur.
Jürgen steuert ohne Fehler
über Hügel und durch Täler.
Tante Paula wird es schlecht (das traf in unserem Falle
glücklicherweise nicht zu, aber ich brauche diese Zeile des Reimes wegen).
doch die übrige "Vereinsschaft"
blickt begeistert auf die Landschaft
und der Landschaft ist es Recht.
Soweit in, zugegeben, grob angepasster Form also ein Erich
Kästner-Gedicht, das ich als passenden Begleittext empfand für unsere Fahrt
durch die herbstlich verzauberte Landschaft. Morgens noch vom Nebel weich
gezeichnet, die pastelligen Berge in der Ferne. Dazu während des Tages 2
Prismen, Vielfarbenkugeln, am Himmel, die auch "Brockenhexen heißen.
Einfach toll. Im Laufe des Vormittags brachte sich dann noch der samtig-sanfte
Schliersee ins Spiel und schließlich die Ankunft an den Ruheorten von
Fischbachau und Birkenstein.
Da bin ich dem Kulturverein wirklich dankbar, daß ich fortan mit dem Begriff
Fischbachau auch anderes verbinden kann als die gleichnamigen Sängerinnen.
Nämlich das große Barocktheater in der kleinen Lorettokirche von Birkenstein,
eindrucksvoll inszeniert von der heiteren, Marienerfüllten Schwester Eresta,
sowie das schön kalte und prächtige Marienmünster, souverän präsentiert von
dem Mesner und Grasmäher mit den zu kurzen Hosen. Er schickte die weiblichen
Mitreisenden durch seine nachdrücklich gestellte Frage nach der Zahl der
"Mädchen" in der Gruppe freundlicherweise durch einen verbalen
Jungbrunnen. Dann das nicht minder kalte, aber dennoch heimelige
Maria-Schutz-Kircherl beim Friedhof, wo wir Erkenntnisse über den Sommerhans
und den Winterhans, sprich Hansdampf und Hanswurst gewonnen haben.
Es gäbe selbstverständlich viele Daten, Zahlen, Fakten geschichtlicher oder kunstgeschichtlicher Art zu nennen. Ich werde das nicht tun. Ich gebe Ihnen lediglich einen Merkzettel, - zugegebenermaßen persönlich gefärbt - den jeder für sich selbst ausgestalten kann.
Und da ist für den ersten Tag unserer Reise durch eine der
attraktivsten Gegenden Bayerns die Begegnung mit einer weiteren, sehr
eigenen Persönlichkeit zu vermerken: mit Magda. Ihr haben wir Tourenvorschläge
zu verdanken - ausreichend bis ans Lebensende - bei Befolgung, möglicherweise
auch vorzeitigem Lebensende. Aber ebenso die Hinführung an ihr St. Bartholomä,
ihr 900 Jahre altes Berchtesgaden im Dämmerlicht, die Stiftskirche zu
ungewöhnlicher Zeit, Ausblicke und Einblicke. Sie hat uns was "g`lehrat".
Wir haben etwas Braun erlebt an den Häuserfronten der ehemaligen Stallungen und
viel Schwarz beim nächtlichen Abenteuermarsch zurück ins Hotel.
Dafür, so finde ich, sollte der Kulturverein die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
- und das ist eine nachdrückliche Anregung an den Vorstand - mit einer
Tapferkeitsplakette auszeichnen oder mit einem höherprozentigen Getränk
entschädigen. Zur Kosteneinschätzung für den Schatzmeister: es handelt sich
um 21 Stamperl.
Über das abendliche Mahl schweigt der Berichterstatterin Höflichkeit.
Wenigstens hat anderntags die Einkehr ins "Neuhäusl" unsere
gastronomischen Eindrücke vom Berchtesgadener Land wieder zurechtgerückt.
Der zweite Tag sei in wenigen Stichworten Revue passiert. Die halsbrecherische
Serpentinenfahrt mit gigantischem Panoramablick bei - nein, nicht
Kaiserwetter - sondern Schongauer Kulturvereinswetter. Denn kaum daß wir zur
Rückfahrt angesetzt hatten, zog Petrus seinen Nebelschleier runter.
Nachhaltigen Eindruck hat sicher auch der klamme Tunnelzugang zum
goldglänzenden Luxuslift gemacht, der uns ins 1834 m hoch gelegene
Kehlsteinhaus brachte.
Dann die mit beachtlicher Fantasie zusammengebastelte Keltensiedlung in
Dürrnberg und schließlich Urschalling mit seinem Kirchenkleinod und den
gemütlichen Messnerstuben nebenan.
Bleibt nur noch festzuhalten, daß wir trotz zahlreicher Kirchenbesuche und
Marienanbetung nicht in den Besitz des Schlüssels zum Fegefeuer gekommen
sind. Aber es muß wohl einen oder gar mehrere engelgleiche Menschen im
Kulturverein Schongauer Land geben, die Petrus den Code für das Schließfach
"goldener Oktober" abgeluchst haben. Diesen engelsgleichen Menschen
gilt mein ausdrücklicher Dank, sowie allen anderen Organisatorinnen und
Organisatoren und Ihnen für Ihre Geduld beim Zuhören.