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Rückblick Nordspanienreise vom 5. – 12. September 2008
Wir kamen mit dem Sturm. Wackellandung auf dem Flughafen von Bilbao. Und Böen beuteln auch weiterhin die kulturbegeisterte Gruppe: drei Koffer in Bilbao verschwunden – vorübergehend, die Tasche in Burgos ebenfalls. Sie taucht erst nach Urlaubsende wieder auf – immerhin komplett mit Inhalt. Doch lief zunächst so manches nicht nach Plan und da brauste das andalusische Temperament von Reiseleiter Miguel auf. Doch er war es auch, der uns bereits am ersten Tag preisgünstig sprudelnde Wasser- und Weinquellen für die gesamte Reise erschloss. Ein Wunder auf unserer Fahrt entlang der Pilgerstrecke. Wir Bus – Pilger sind nicht darauf angewiesen, uns Stempel zu holen. Wir reisen auf leeren Autobahnen und lassen an unseren Fenstern die beeindruckend weite Landschaft des Baskenlandes vorbei gleiten: grüne Wälder, braune Felder, Sonnenblumeninseln und Wolken in allen nur denkbaren Formationen. Es erobert mich im Sturm, dieses Nordspanien und ich beschließe, selbst Stempel zu vergeben für die Highlights unserer Stationen. Zum Beispiel für das zauberhaft beschwingte Guggenheimmuseum von Bilbao des kanadischen Architekten Frank O. Gehry, ebenso für die Kathedrale von Burgos ( Weltkulturerbe ), deren überreiches Innenleben wir uns allerdings erst Columbus-gleich mit Entdeckerhartnäckigkeit erobern mussten.
Egal: Zwei Höhepunkte an einem Tag und dann auch noch zweimal abends Steaks mit „Pommes español". Welche kulinarischen Höhepunkte, so frage ich mich, werden uns noch erwarten?
Nun, zunächst ein üppiges Frühstücksbuffet im gut geführten Hotel in Leon. So lobe ich mir die „Buspilgerschaft" und vergebe gleich weitere Stempel an die farbenprächtigen, geschichtsträchtigen Fenster der gotischen Kathedrale Santa Maria zu Leon, an die Schatzkammer und Bibliothek der romanischen Basilika San Isidoro, sowie an die mehr als 800 Jahre alten, aber immer noch atemberaubend lebendigen Wandmalereien der dortigen königlichen Grabstätte. Hier in Leon begegnen wir auch erstmals Antoni Gaudi. Er sitzt, in Bronze erstarrt, vor dem von ihm entworfenen Bankgebäude. Anderntags in Astoria, der Palacio Gaudi. Wie eine neugotische Trutzburg hält er neben der Kathedrale Stellung, wenn auch mit weniger Türmchen als Neuschwanstein und nicht annähernd so malerisch platziert. Doch Astoria ist nicht die Zuckerbäcker-, sondern die Schokoladenstadt. Klar, dass hier Reisemitbringsel erworben werden.
Grüne Hügel, rote Erde, Heidekraut und Windmühlen der modernen Art begleiten uns auf der Weiterfahrt an einem Tag der kulinarischen Extreme. Von der Schokolade zum Tintenfisch, der uns überraschenderweise auf 1300 Metern Höhe in so köstlich frisch zubereiteter Form begegnet, dass ich weder für die "Pailossas" genannten runden Strohdachhäuser aus der Keltenzeit Augen hatte, noch für das Hospiz und das älteste Kirchlein auf dem Jakobsweg, nämlich das von Piedrafitta o Cebrero. Vor letzterem standen ohnehin Pilger und Volksfestbesucher Schlange, denn der Zufall – oder Fügung? – wollte es, daß wir zum Fest der Heiligen Maria diesen Ort erreichten. Einen extra dicken Stempel für Pulpo, Wein und Volksfesttrubel.Geradezu ausgestorben hingegen Portomarin, jene Stadt, die einem Stausee weichen musste und oberhalb desselben neu erstand. Die Stein für Stein umgesetzte romanische Festungskirche Sankt Nicolai beherrscht einen Platz, der als Kulisse für die Schlüsselszene in dem Film „High noon" dienen könnte.
Der hier getrunkene Espresso ist die letzte Stärkung vor dem eigentlichen Höhepunkt des Tages: Eine sieben Kilometer lange Wanderung auf dem Jakobsweg. In Palas de Rei werden die wanderfreudigen Buspilger ausgesetzt. Es ist eine idyllische Strecke. Im Schatten alter Bäume führt ein Gutteil des Weges. Orios, die aus Stein gebauten Kornspeicher sind willkommene Fotoobjekte, Brombeeren schmackhafte Naschereien. Im baumfreien Gelände wird der Sonnenschutz wertvoll. Alle erreichen mehr oder weniger wohlbehalten das Ziel. Sehr empfehlenswert: ein Stempel.
Santiago de Compostela wirft eine Regenschleier über uns. Wo sind die unzähligen Pilger aus den Fernsehberichten? Wann packt sie mich, die ganz besondere Stimmung an diesem ganz besonderen Ort? Immerhin, Rosamaria, die souveräne örtliche Reiseleiterin mit Abitur aus Pforzheim macht uns vertraut mit der Kathedrale und den sie umgebenden Bauten. Natürlich umarmen wir in der Kathedrale den Heiligen Jakob auf dem Altar- auch während der Messe bricht die Prozession hinter der Altarfigur nicht ab und ebenfalls in Schlange geht es durch die Krypta. Im Museum ist ein abgelegter Mantel der Jakobsfigur zu bestaunen, abgegriffen von den vielen Berührungen. Vor der Kathedrale fallen sich Fahrradpilger um den Hals, weinen Freudentränen, zücken ihre Kameras. Ein Stempel. Die aus Granit gebaute Altstadt mit ihren Arkaden bietet guten Regenschutz, das Cafè Casino Flair vergangener Zeiten. Bei der Rückfahrt mit dem öffentlichen Bus lernen deutsche Touristen, daß eine spanische Endstation keineswegs das Ende der Fahrt bedeutet und erhalten so die Gelegenheit, das Hotel über den Jakobsweg zu erwandern. Auf der Fahrt nach Fisterra, dem „Ende der Erde" an der Atlantikküste hüllt sich das „grüne Galicien" in Nebel. Nur die Eukalyptusbäume zeigen sich schemenhaft. Bei der Beschreibung ihres großen Wasserdurstes zum Schaden des Landes und ihrer quasi Unsterblichkeit wegen ihrer Waldbrandresistenz entpuppt sich unser Reiseleiter zum Don Miguel, dem edlen Ritter im Kampf gegen die Eukalyptusbaumplage. 1659 km soll die galicische Küste lang sein. Einige davon können wir später tatsächlich im Sonnenschein erkennen: Steilküste und Sandstrand, unberührt, paradiesisch. Ein Stempel.
Anderntags der letzte Ausflug ans Meer. Ein stempelwürdiges Ziel: Rias Baixas. Dort kann man per Schiff Muschelbänke für Austern, Jakobs- und Miesmuscheln besichtigen. Ein Jahr muß eine Miesmuschel reifen, ehe sie gegessen wird. Wir vernichten an diesem Nachmittag eine ganze Generation. In Salzwasser gegarte Muscheln und Weißwein.
Glücklicherweise hat der Fotograf vor dieser „Orgie" seine
Aufnahmen gemacht. Doch es war nicht die letzte des Tages. Das
Abschieds-Abendessen im Hotel ist noch zu bewältigen – ein Nationalgericht.
Welcher Art? Meine Mitreisenden und ich, wir werden es nie vergessen. Und
allen anderen kann ich nur empfehlen: Erkunden Sie den Norden
Spaniens und seine Küche! |
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